Portrait Sophie Scholl - Erinnerungsarbeit, Photoarbeit/Puzzle, Flugblätter, auf Buchbinderpappe geleimt, 60 x 50 cm, 2015, (Ausschnitt)


VII Galerie der Aufrechten


Illustrationen Lebensstationen von Sophie Scholl
Blatt 1: Forchtenberg 1921 - 1930
Vor dem Geburtshaus Sophies (* 9. Mai 1921), in dem ihr Vater Robert Scholl als Bürgermeister arbeitet und die Familie wohnt,    steht links die Mutter Lina Scholl in ihrer Tracht aus der Zeit 1905 als sie noch Diakonissin war. Sophie wird später in der evangelischen Kleinkinderschule von Diakonieschwestern behütet werden. Rechts sitzt Sophie in einem Garten. Ihre Jugendzeit in Forchtenberg ist fast unbeschwert, sie liebt die Gärten und Weinberge und hält sich gerne in der Natur auf. Ein einschneidendes Ereignis ist die Geburt ihrer Schwester Thilde, die nach 10 Monaten an Masern stirbt.                                                                                             

Im Vordergrund vor Sophie sieht man ein Kind im Taufkleid, Hinweis auf die Schwester, Vorschau auf Sophies kommenden Beruf als Kindergärtnerin und Vorhersage ihres Traumes vor ihrer Hinrichtung. Die drei Personen symbolisieren gleichzeitig die drei Lebensalter. Im Vordergrund Bildmitte erkennt man eine Mausefalle mit einer toten Maus. Als Memento Mori weist sie auf die Ermordung Sophies.  Sophie kann es nicht ertragen, dass die Mäuse im Keller des Rathauses mit Fallen getötet werden.  1942 schreibt sie: „Ich erinnere mich, dass es mir als Kind ein unlösbareres und furchtbar trauriges Problem erschien, zu leben, ohne dabei andere zu vernichten. Es scheint mir jetzt noch genau so unlösbar, nur habe ich es vergessen.“
Bleistift, Farbstift, Sepia, Deckweiß auf Papier, Bildmaß 48,5 x 38,5 cm, mit Passepartout 60 x 50 cm, 2015



Blatt 2: Ludwigsburg 1930 - 1932
Rechts oben neben dem Wohnhaus sind Robert Scholl und seine fünf Kinder Inge, Hans, Elisabeth, Sophie, Werner zum Familienphoto versammelt. Sie beobachten eine Schlägerei im Vordergrund zwischen Kommunisten und den Anhängern Hitlers. Robert Scholl sieht kritisch zu. Seine Ablehnung des Nationalsozialismus wird ihm im Jahr 1942 zum Verhängnis: Wegen Äußerungen über Adolf Hitler, den er als „Geißel Gottes“ bezeichnet, wird er zu vier Monaten Gefängnis verurteilt und mit einem Berufsverbot belegt.
Bleistift, Farbstift, Sepia, Deckweiß auf Papier, Bildmaß 48,5 x 38,5 cm, mit Passepartout 60 x 50 cm, 2015




Blatt 3: Ulm 1932 - 1940
Aus der braunen Masse einer Kundgebung mit Hakenkreuzfahnen auf dem Ulmer Münsterplatz ragt das gotische Münster der evangelischen Kirche. Das Gotteshaus ist Kulisse für den Aufmarsch. Links im Vordergrund befindet sich Sophie in BDM-Uniform mit ihrem charakteristischen Herrenhaarschnitt. Trotz ihrer strammen Karriere bei den Jungmädels verrät ihr Blick nach Links aus dem Bild erste Zweifel. 1940 wird Sophie am evangelischen Kindergärtnerinnen-Seminar in Ulm-Söflingen eine Ausbildung zur Kindergärtnerin beginnen.
Bleistift, Farbstift, Sepia, Deckweiß auf Papier, Bildmaß 48,5 x 38,5 cm, mit Passepartout 60 x 50 cm, 2015




Blatt 4: Reichsarbeitsdienst Krauchenwies 1941
Im Hof des Schlosses Krauchenwies sind die Frauen des Reichsarbeitsdienstes im Kreis zum Fahnenappell angetreten. Sie hissen die Hakenkreuzfahne, deren Haken verblassen und das Kreuz deutlich wird. Links im Vordergrund steht Sophie mit dem Rücken zur Gruppe. Sie beginnt sich wegen ihrer Abneigung gegenüber geisttötenden Drills und der Kasernierung und unter dem Einfluss der Schriften des Kirchenvaters Augustinus vom Nationalsozialismus abzuwenden. Über (hinter) dem Schloss eröffnet sich ein Blick in den Park, in den Sophie immer wieder „auskneift...um sich mit dem Himmel zu unterhalten“. Im Park befindet sich ein Brunnen, in seiner Form an den Gral erinnernd, auch Vorschau zum Stufenbrunnen an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ferner auf die Gnaden- und Paradiesbrunnen barocker Kirchen hinweisend.
Bleistift, Farbstift, Sepia, Deckweiß auf Papier, Bildmaß 48,5 x 38,5 cm, mit Passepartout 60 x 50 cm, 2015


Blatt 5: Kriegshilfsdienst Fürstenberg und Blumberg 1941 - 1942
Der Bahnhof Blumberg. Sophie ist oft mit dem Zug unterwegs - für Besuche daheim in Ulm, zur Gesellschaft mit ihren Freunden und zu Treffen mit ihrem Gefährten Fritz Hartnagel. Sophie leistet als Arbeitsmaid, links im Bild, in den Kinderhorten Fürstenberg und Blumberg Dienst. Sie empfindet den Dienst als drückend und ermüdend, dennoch erhält sie zum Abschluss ein sehr gutes Zeugnis. Im Bild oben wird eine von Sophie gefertigte Zeichnung eines Säuglings widergegeben.
Bleistift, Farbstift, Sepia, Deckweiß auf Papier, Bildmaß 48,5 x 38,5 cm, mit Passepartout 60 x 50 cm, 2015




Blatt 6: München 1942 - 1943
Im Juni 1942 beginnt Sophie Scholl in München Biologie und Philosophie zu studieren. In der Bildmitte erkennt man den Stufenbrunnen vor der Ludwig-Maximilians-Universität München (s. a. Blatt 4), im Bildhintergrund das Ornament des Bodens des Lichthofes der Universität. Sophie schließt sich der Widerstandsgruppe Weiße Rose an, die auf Initiative eines Freundeskreises um Hans Scholl und Alexander Schmorell entstand. Im Februar 1943 wird Sophie Scholl bei einer Flugblattaktion, siehe Bild oben rechts, bei der sie zusammen mit ihrem Bruder Hans im Lichthof der Münchner Maximilians-Universität Flugblätter verstreut, entdeckt und anschließend von der Gestapo festgenommen. Links im Bild sieht man ein Photo Sophies aus derErkennungsdienstlichen Behandlung durch die Gestapo. Am 22. Februar wird Sophie mit ihrem Bruder Hans und Christoph Probst vom Volksgerichtshof wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und am selben Tag im Strafgefängnis München Stadelheim mit der Fallschwertmaschine (im Bild rechts) enthauptet.
Bleistift, Farbstift, Sepia, Deckweiß auf Papier, Bildmaß 48,5 x 38,5 cm, mit Passepartout 60 x 50 cm, 2015


Blatt 7: Sophies Traum
Im Hintergrund erhebt sich ein Gebirge. Auf dem Gipfel steht ein Kreuz, daneben eine Figurenstaffage - Erinnerung an eine große Fahrt 1937. Links im Bild steht Sophie, vor ihr reißt ein Abgrund auf, rechts vom Abgrund befindet sich ein Kleinkind (s. a. Blatt 1).
In der Nacht vor der Hinrichtung hat Sophie einen Traum: Es war ein schöner Tag. Sie trägt ein Kind im weißen Taufkleid einen steilen Berg hinauf. Plötzlich klafft eine Gletscherspalte auf. Sophie legt das Kind auf die andere Seite des Abgrundes, dann stürzt sie in die Tiefe.
Bleistift, Farbstift, Sepia, Deckweiß auf doppeltem Papier, obere Papierseite gerissen, Bildmaß 48,5 x 38,5 cm, mit Passepartout 60 x 50 cm, 2015





Die Bilddeutungen basieren auf der Biographie Sophie Scholls von Barbara Beuys, Hanser Verlag München, 2010
Teilweise dienten historische oder moderne Photographien und NS-Propagandamaterial als Bildvorlage.
Text und Illustration von Nikolaus Mohr, Ostrach, 2015. Die Arbeiten sind Besitz der Kunstsammlung des Lankreises Sigmaringen.

Die Illustrationen gibt es mit Text, in Heftform, 20 Seiten, Farbe, Klammerheftung. Preis: 4.50 € inl. Porto. (D)
Skylla Edition Ostrach. Bestellung über nikolomo@nikolausmohr.de        


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Portrait Sophie Scholl  als interaktive Kunst, Laserdruck auf Schiefertafel, Holz, Kreide, Schwamm, Schnur,  60 x 50 cm, mit Schnur 133 x 50 cm, 2015
Portrait Sophie Scholl - Erinnerungsarbeit, Photoarbeit/Puzzle, Flugblätter, auf Buchbinderpappe geleimt, 60 x 50 cm, 2015
Portrait Sophie Scholl - Vom Verschwinden und Vergessen, Digitaldruck auf Leinwand nach Computerarbeit Schwellenwert, 60 x 50 cm,  2015

Weitere Arbeiten zur Galerie der Aufrechten (Auswahl):

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Josef Ruf,  Öl/Lw, Siebdruck auf Glas in Abstandsrahmen,  60 x 50 cm,   2016
Zitat A. Hitler: Wir halten die Kräfte des Christentums unentbehrlich für den sittlichen Wiederaufstieg des deutschen Volkes.
Josef Ruf, *1905 in Hochberg bei Bad Saulgau, hingerichtet am 10. Oktober 1940 in Brandenburg-Görden, Kriegsdienstverweigerer aus christlichen Motiven. Als „Bruder Maurus“ in der Christkönigsgesellschaft.
Michael Lerpscher , Öl/Lw, Siebdruck auf Glas in Abstandsrahmen, 60 x 50 cm,   2016
Zitat A. Hitler: Ich bewundere das Christentum und werde es fördern.
Michael Lerpscher, * 5. November 1905 in Wilhams/Allgäu, hingerichtet am 05. September 1940 im Zuchthaus Brandenburg, Kriegsdienstverweigerer aus christlichen Motiven. Laienbruder der Christkönigsgesellschaft.
Raphael Walzer,  Tusche/Ölkreide/Papier, 60 x 50 cm,  2016
Links oben einen Dämon der die Butzenscheiben einschlägt. Es handelt sich um ein Zitat aus Grünewalds Versuchung des Hl. Antonius, Hinweis auf den nationalsoz. Widersacher, der in Walzers Leben einbricht.
Raphael Walzer OSB * 1888 in Ravensburg als Josef Walzer;  † 19. Juli 1966 in Heidelberg. Benediktinermönch und Erzabt der Erzabtei Beuron. Gegner des Nationalsozialismus. 1937 emigriert. Danach im Exil in Frankreich und Algerien.

Die Arbeiten sind Besitz der Kunstsammlung des Lankreises Sigmaringen, der Diözese Augsburg und Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie sind  Leihgaben für die Widmungshäuser und Denkstätte Widerstand Weingarten Studentenwerk Weiße Rose e.V. - Ravensburg/Weingarten. Entwurfsarbeiten und weitere Arbeiten zu Raphael Walzer befinden sich im Besitz des Klosters Beuron